Am Freitag, dem 20. Janaur, besuchte NRW-Umweltminister Johannes Remmel den Stand der Bioland Imkerei Honighäuschen auf der Grünen Woche. Am Rande des Besuches wurden auch Gespräche geführt zum Thema Varroaproblematik und Imkerschein.
Umweltminister Remmel auf der Grünen Woche mit Honigmet "Urban VIII."
Minister Remmel bekam eine Flasche Honigmet “Urban VIII.” überreicht und nahm äußerst amüsiert den dritten Lehrsatz des Rückenetiketts zur Kenntnis, der da lautet: “Kein Mensch braucht die FDP.”
Bei einem Imker-Treffen Donnerstagabend in Schwechat bestätigten Experten, dass in den vergangenen Monaten bundesweit tausende Bienenvölker verendet sind. Wie berichtet, sind auch Bienen-Völker in Teilen des Südburgenlandes davon betroffen.
Das Bienensterben brennt dem Imkern unter den Nägeln. Dementsprechend groß war auch der Ansturm betroffener Imkern bei der Info-Veranstaltung in Schwechat. Weit über 200 Imker waren gekommen, darunter auch viele aus dem Burgenland.
Pestizid-Einsatz in Nahrungsmittelproduktion
Hauptreferent war der Leiter der Bienenforschung an der BOKU Wien, Stefan Mandl. Er glaubt die Ursache für das dramatische Bienensterben zu kennen: „Einer der Hauptgründe ist der Pestizid-Einsatz in der Nahrungsmittelproduktion, der das Immun-System der Bienen schwächt. Dadurch haben viele Krankheiten die Chance, ganze Bienenvölker zu töten. Und es kann zu vielen bakteriellen Erkrankungen kommen.“
Österreich zu gefährlich für die Bienen
Die Imker in den Ackerbaugebieten wollen daraus die Konsequenzen ziehen, sagt Ingolf Hofmann, Imker in Limbach: „Einige haben ganz klar gesagt, dass sie die Ackerbauregionen Österreichs verlassen werden. Dort ist guten Gewissens Imkerei derzeit zu gefährlich für die Bienen.“
Resolution beschlossen
Damit dem Bienensterben Einhalt geboten wird, haben die Imker in Schwechat eine Resolution beschlossen, sagt Bienenforscher Mandl. Im Burgenland gab es im Vorjahr noch 10.000 Bienenvölker, wieviele dem Bienensterben bereits zum Opfer gefallen sind, wird man erst im Frühjahr sicher feststellen können.
2012 nimmt die Bioland Imkerei Honighäuschen zum ersten Mal an der Grünen Woche in Berlin teil und stellt verschiedene Honigsorten aus der Region Bonn und aus Wanderung in andere Gebiete Deutschlands vor.
Der Dachgarten der Bundeskunsthalle mit 12 Bienenvölkern
Unsere “Bundesbienen” und ihr Honig, die Sorten “Bundes-Frühlingsblütenhonig” und “Bundes-Sommerblütenhonig” sind etwas besonderes. Der Bienenstand, von dem diese Honige kommen, befindet sich auf dem Dachgarten der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.
Dieser Bienenstand mit 12 Bienenvölkern der Bienenrasse Buckfast wurde 2011 im Rahmen der Max-Liebermann-Ausstellung von 136.000 Besuchern besichtigt, von denen viele Besucher auch an Führungen teilnahmen. Lediglich ein Besucher wurde gestochen, als er unbedingt eine Biene streicheln wollte.
Die nach den Richtlinien des Öko-Anbau-Verbandes Bioland geführte und zertifizierte Imkerei bietet neben anderen Honigsorten auch einen Honigmet an, der dem Barberini-Papst Urban VIII. gewidmet ist. Die Barberini-Familie trug die Biene im Wappen und dieses Wappen findet man in Rom an vielen Gebäuden.
Zum Schutz der Bienen setzt sich die Bioland-Imkerei Honighäuschen auch für die Einführung eines Sachkundenachweises in der Imkerei ein.
Grundsätzlich eine gute Sache, daß für den imkerlichen Nachwuchs ausgebildet wird. Aber wie ist die Qualität der imkerlichen Ausbildung? Reicht ein Kursus an der örtlichen Volkshochschule?
Und: Wieviele Imker brauchen wir überhaupt? Gebetmühlenartig wird vorgetragen, daß wir mehr Imker brauchen und daß die Imkerei ausstirbt.
Stimmt das überhaupt? Brauchen wir nicht anstelle von mehr Imkern eher besser qualifizierte Imker?
Derzeit haben wir ungefähr 90.000 Imker und 750.000 Bienenvölker in Deutschland. Stimmt, es herrscht ein hohes Durchschnittsalter in den Imkervereinen und mancherorts kann man die Vereinssitzungen direkt unter Anwesenheit eines Rotkreuzhelfers und Altenpflegers abhalten.
Andernorts wie hier in Bonn gibt es dann rund 100 Imker, die auf 40 qkm 1400 Bienenvölker halten. Das gilbt für alle Großstädte. Es kann also nicht davon die Rede sein, daß die Imkerei ausstirbt.
In den Ausbildungsrichtlinien für die Imkerei steht folgendes:
Im 1. Ausbildungsjahr, der beruflichen Grundbildung, lernen Auszubildende im Ausbildungsbetrieb beispielsweise:
wie man Bienen füttert, tränkt, reinigt, beobachtet und pflegt
wie Bienenkästen gereinigt und desinfiziert werden
wie man Anzeichen von Bienenkrankheiten oder Schädlings- und Parasitenbefall feststellt und was man dagegen tun kann
wie man Maschinen und Geräte bedient, reinigt, pflegt und wartet
wie man Futtermittel bestimmt, beurteilt und fachgerecht lagert
welche Grundlagen der Vererbung man beim Züchten beachten muss
wie man die Leistungen von Bienen ermittelt
was man über Körperbau und Verhalten der Bienen wissen muss
die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes zu beachten
welche Qualitätsstandards eingehalten werden müssen, wie man sie umsetzt und dokumentiert
was man beachten muss, wenn man beim Abwickeln von Geschäftsvorgängen mitwirkt und Markt- und Preisinformationen einholt
wie man Arbeitsabläufe plant, kontrolliert und beurteilt und wie man Aufgaben im Team abstimmt
Im 2. Ausbildungsjahr, der beruflichen Fachbildung, wird den Auszubildenden u.a. vermittelt:
wie man Bienen hält, versorgt und kennzeichnet
wie man Zuchtdaten erfasst und dokumentiert
welche Zuchtprogramme es gibt und wie man Bienen nach Rasse- und Zuchtstandards beurteilt
was man bei der Gesundheitsfürsorge für Bienen beachten muss, wie man Medikamente nach Anweisung verabreicht und dem Tierarzt assistiert
wie man Bienen erzeugt, tierische Produkte gewinnt sowie Bienen und ihre Produkte vermarktet
welche Haltungsformen es für Bienen gibt und wie verschiedene Haltungssysteme und -techniken angewendet werden
wie Bienen transportiert werden, ohne Schaden zu nehmen
wie man Futterrationen berechnet und zusammenstellt sowie Fütterungs- und Tränkeinrichtungen kontrolliert
welche Regelungen des Tierschutzes bei Haltung, Gesundheit und Transport von Bienen zu beachten sind und wie und wann man Nottötungen durchführt
welche Anforderungen und Informationen bei der Produktion eine Rolle spielen
was man beachten muss, wenn man Kalkulationen erstellt und dabei mitwirkt, Vermarktungsmaßnahmen zu konzipieren und zu planen
Im 3. Ausbildungsjahr, der beruflichen Fachbildung in der Fachrichtung Imkerei, lernen die Auszubildenden schließlich:
wie man einen Bienenschwarm aufbaut, versorgt und pflegt bzw. Bienenvölker vereinigt und auflöst
wie man Honig gewinnt, seine Qualität beurteilt und ihn nach lebensmittelrechtlichen Regelungen verarbeitet und abfüllt
wie man Bienenvölker vermehrt und Königinnen züchtet
was man beim Prüfen der Bienengesundheit beachten muss
wie Bienenvölker ein- und ausgewintert werden und wie man sie füttert
welche Trachtpflanzen es gibt, wie man geeignete Standorte für Bienenvölker auswählt und wie man die Bienenweiden verbessern kann
welche rechtlichen Voraussetzungen die Bienenhaltung und die Bienenwanderung haben und wie man Bienenvölker transportiert
welche Bedeutung die Bienenhaltung für die Bestäubung von Nutzpflanzen und für den Naturschutz hat
wie man die Schwarmstimmung von Bienenvölkern beurteilt und verhindert, dass sie ausschwärmen
was man beachten muss, wenn man Bienenunterkünfte baut
wie man Bienenprodukte präsentiert und Kunden informiert
Während der gesamten Ausbildungszeit wird den Auszubildenden z.B. vermittelt:
welche gegenseitigen Rechte und Pflichten aus dem Ausbildungsvertrag entstehen
wie der Ausbildungsbetrieb organisiert ist und wie Beschaffung, Absatz und Verwaltung funktionieren
wie die Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften angewendet werden
wie Umweltschutzmaßnahmen beachtet und angewendet werden
in welchen ökologischen Zusammenhängen die Tierproduktion steht und was in Bezug auf Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz zu beachten ist
In der Berufsschule sind folgende Lernfelder Gegenstand des theoretischen Unterrichts:
Bienen versorgen
Bienenvölker reproduzieren
Bienenprodukte gewinnen
Bienenprodukte vermarkten
bei der Führung einer Berufsimkerei mitwirken
den Tierbestand gesund erhalten
den Tierbestand reproduzieren
Tiere füttern
Tierunterkünfte herrichten und instand halten
mit Tieren umgehen
Geräte, Maschinen und Anlagen handhaben
Waren beschaffen und lagern
Abfälle entsorgen und Nebenprodukte verwerten
einen neuen Mitarbeiter/eine neue Mitarbeiterin in den Betrieb einführen
Daa sind sicherlich Themen dabei, die für den Freizeitimker keine Rolle spielen. Aber im Umgang mit den Bienen, mit der Hygiene in der Bienenhaltung und Honigerzeugung kann es keinen Unterschied zwischen Hobbyimkern und Berufsimkern geben.
Ich glaube eher, daß wir mit weniger, dafür besser qualifizierten Imker besser fahren würden.
Um die Weihnachtsfeiertage behandle ich meine Völker immer mit einer 3,5%igen Oxalsäurelösung, um die übriggebliebenen oder neu eingewanderten Varroamilben abzutöten. Größtenteils sind die Völker brutfrei, dieses Jahr wurden 132 Wirtschaftsvölker und rund 50 MiniPlus-Völkchen mit Reserveköniginnen behandelt.
Winterbehandlung gegen Varroa durchgeführt
Heute, also rund vier Tage nach der Behandlung, es ist Neujahr und das Thermometer zeigt für den Januar sagenhafte 15°C in der Sonne, habe ich die Gelegenheit genutzt, um die Bienenvölker und deren Bodeneinlagen zu kontrollieren. Hier und da habe ich auch mal eine Wabe gezogen, um zu sehen, ob schon gebrütet wird. Einige Völker hatten offene Brut, also Eier und junge Larven, aber keine verdeckelte Brut, in der sich Varroamilben vor der Oxalsäure hätten verstecken können.
Bienenvolk Nr 36 in Pützchen
Erfreulicherweise ist in fast allen Bienenkästen Leben und zwar die gewünschte Art! Keine eingedrungenen Mäuse, alles Biene oder was? Zwei Völker wurden entdeckt, deren Unruhe auf Weisellosigkeit deutete. Ab mit den besetzten Waben zum Nachbarvolk, die können sich über die Verstärkung freuen. Also nicht wirklich ein Verlust.
Behandelt worden waren alle Völker über einen längeren Zeitraum im Sommer mit dem neuen Nassenheider Horizontalverdunster und 60%iger Ameisensäure, einmal im Juli und dann noch einmal im August. Im Juli fiel die erwartete Menge an Milben, im August dann schon deutlich weniger.
Während und nach der Auffütterung wurden die Bodeneinlagen ebenfalls kontrolliert. Die Völker hatten genügend Zeit, um im Spätsommer neue und von der Varroamilbe nicht angestochene Bienen heranzuziehen, mit denen das Volk über den Winter geht. Diese Bienen sehe ich jetzt gerade aus den Fluglöchern starten. Einige Völker sind schon mit dem Reinigen des Bodenbrettes beschäftigt und tragen tote Bienen heraus.
Guter Start in den Hochwinter
Heute findet also ein Reinigungsflug statt, die Bienen haben Gelegenheit, einmal “für kleine Bienen” zu gehen bzw. zu fliegen. Da der Winter sich mit Sicherheit noch mal blicken läßt und die Bienen bei niedrigen Temperaturen nicht ausfliegen können, hilft es den Mädels, wenn sie nicht allzu lange gezwungen sind, auf eine Darmentleerung zu verzichten.
Ich muß mir keine Sorgen um meine Bienen machen, erfahrungsgemäß wird alles was an Bienenvölkern jetzt lebt, auch das Frühjahr erleben.
Tja, woran das wohl liegt? Im Deutschen Berufs und Erwerbs Imkerbund und in der Gruppe der Bioland-Imker herrscht die Überzeugung vor, daß es eher ein Problem der gering qualifizierten Imker ist, die für die Varroaverluste verantwortlich sind. 30 Jahre haben wir nun schon die Varroa in Deutschland und manche Bienenhalter kapieren es eben nicht, sind zu bequem, faul, geizig oder blöd, um die Bienen sorgfältig zu behandeln.
Reinvasion von Varroa bei entsprechenden Witterungsbedingungen
Bei nicht wenigen kommt noch Alterstarrsinn hinzu (Ich bin seit 50 Jahren Imker, mir muß niemand erzählen, wie man Bienen hält!)
Kein Verkauf mehr von Bienen an Imker ohne Sachkundenachweis
Ich habe für mich die Konsequenz gezogen, daß das Honighäuschen keine Bienenvölker oder -Königinnen mehr an Imker verkauft, die keinen Sachkundenachweis haben. Und solange es keinen Sachkundenachweis für Imker gibt, werden eben keine Völker mehr verkauft. es kann schließlich nicht angehen, daß diese wertvollen Tiere an Dilettanten und Tierquäler verkauft werden, die sie einfach “verbrauchen”, um sich dann neue zu kaufen. Es wäre schön, wenn sich auch andere Imker dem anschlössen und auf diese blutigen Verkaufserlöse verzichteten.
Varroa-Verluste sind unnötig!!!
Imker, die Varroa-Verluste haben, sollten vor dem Kauf neuer Bienenvölker zwangsweise eine Varroaschulung machen müssen, nachweisen, daß sie über die nötigen Gerätschaften wie dem Nassenheider Verdunster verfügen und einer Kontrolle durch das Veterinäramt unterliegen.
Dummdreiste Kleinimker
Ein Berufskollege berichtete von einem Fall, wo ein Imker, dessen Bienenvölker von den varroasanierten Bienen des Bioland-Berufsimkers ausgeräubert wurden, auch noch renitent wurde und Schadensersatz fordert. Nach einem vermittelnden Informationsgespräch eines Instituts-Imkermeisters über die Ursachen von Räuberei äußerte der von seiner eigenen Inkompetenz geschlagene Bienenquäler dann die Bereitschaft, im kommenden Jahr vom Bioland-Berufsimker Bienenvölker zu kaufen. Vorher hatte er Schadensersatz gefordert, notfalls würde er sich selber bedienen, er wüßte ja wo! Allerdings wolle er nur 100 Euro für ein ganzes Volk zahlen, für seinen Honig bekäme er ja nur ein paar Euro. So dummdreist muß man erstmal sein! Zu blöd, die eigenen Bienen vor der Varroa zu schützen, zu doof, um für qualitativ hochwertigen Honig einen fairen Preis zu bekommen und dann kompetente Imker für die eigene Unfähigkeit verantwortlich machen! Auch das ist ein Ergebnis der in Deutschland propagierten Form der Imkerei, die erst dann gut ist, wenn möglichst viele Imker hinter möglichst wenig Bienenstöcken stehen.
Benachbarter Gammel-Bienenstand
Seit drei Jahren verfolge ich ja das Geschehen an einem benachbarten Bienenstand im Norden von Bonn an der B9 gegenüber einer Shell-Tankstelle, etwa 2km Luftlinie von mir entfernt. Da standen einstmals 12 Völker, 2010 verhungerten acht, 2011 wurden es dann drei und heute leben noch zwei. Einige Male habe ich schon den Amtsveterinär informiert, in der Hoffnung, daß diesem Tierquäler die Bienen weg genommen werden – leider ohne Erfolg. Auch die zuständigen Imkervereine sind informiert und stehen diesem beratungsresistenten alten Sack hilflos gegenüber, der sich nicht helfen lassen will. Da hofft man um der Bienen willen, daß Gevatter Sensenmann baldmöglichst seiner Arbeit nachkommt.
Gammelbienenstand in Bonn Buschdorf
Mittlerweile habe ich einen ganzen Ordner voll der Bilder von diesem Bienenstand. Ich werde die Bilder auf der Grünen Woche zeigen und hoffe, daß sich Honigkunden auch mal trauen, “ihren” Imker nach seiner Qualifikation zu fragen und zu vergleichen. Beim Deutschen Imker Bund bekommt man als Otto-Normal-Imker ja nach dem Besuch eines sogenannten Honig-Seminars die Berechtigung, ein Leben lang das angeblich für Qualität stehende Siegel des DIB zu nutzen. Für Altimker gilt diese Regelung nicht, die können das so. Übrigens steht dieser Honiglehrgang auch nur für Fragen der Honigbehandlung, von Bienenhaltung, Bienenkrankheiten und/oder Varroakompetenz ist da nicht die Rede.
Nach dem Motto: Kauf Dir ein Bienenvolk und Du bist Imker!
DEUTSCHER BERUFS UND ERWERBS IMKER BUND e. V.
Wir sind die Lobby der erwerbsorientierten Imker DBIB
Geschäftsstelle: Hofstattstraße 22 a
Präsident: Manfred Hederer 86919 Utting am Ammersee
Tel: 08806 92 23 20 Fax: 08806 92 23 21 www.berufsimker.de info@berufsimker.de
Einladung zum Soltauer Großimkertag
Samstag, 14. Januar 2012, und Sonntag 15. Januar 2012
Eintritt Samstag und Sonntag: 6,00 €
Eintritt für DBIB Mitglieder frei (Mitgliedsausweis nicht vergessen)
Freitag 13. Januar 2012
Workshop „Betriebsweise mit angepasstem Brutraum“
Referenten: Hans Beer u. a., mehr Info unter www.berufsimker.de
Ganztägiger Workshop nur mit Voranmeldung
Samstag 14. Januar 2012 – Hotel Meyn, Poststraße 19
09:00 h Workshop „Der Imker im Straßenverkehr“
Referent: Günter Heitmann, LWK Niedersachsen
Gebühr: 20 € DBIB-Mitglied / 30 € Nicht DBIB-Mitglied
14:00 h Jahreshauptversammlung 2012
Eintritt nur für Mitglieder
im Anschluss Steuerrecht §13a, Referent: Steuerberater Werner Burkhart
danach Betriebsvorstellung Imkerei Frank Osterloh, Großmoor
Sonntag 15. Januar 2012 – Aula des Gymnasiums, Waterloostraße
09:00 h Begrüßung, Grußworte, Bericht des Präsidenten
10:30 h Vorstellung Ameisensäurebehandlung mit FLASH-Methode
Referent: Xaver Bösl, Neumarkt
11:00 h Varroatolerante Bienen: Wege der Zuchtauslese und deren Grenzen; Referent: Dr. Christoph Otten, Bieneninstitut Mayen
14:00 h Konkurrenz & Ressourcennutzung von Honig- und Wildbienen in der Lüneburger Heide
Referentin: Dipl.-Biol. Anika Hudewenz, Leuphana-Universität
15:00 h Die neue Honigverordnung
Referent: Prof. Dr. J. Dustmann – angefragt -
Große Imker-Fachausstellung in der Alten Reithalle (Winsener Straße 34g)
Samstag: 12 – 18 Uhr u. Sonntag: 9 – 17 Uhr
Alte Reithalle und Aula des Gymnasiums liegen auf gleicher Linie – nur die Straße überqueren
Einladung Fachtagung 2012
Imkerliche Fachveranstaltung für die ganze Imkerfamilie
am Samstag, den 18. und Sonntag, den 19. Februar 2012
in Graz, Raiffeisenhof, Krottendorferstraße 81
Kostenlose(s) Kinderprogramm/-betreuung
Workshop Honigsensorik/Sortenhonige
Größte imkerliche Geräteausstellung Österreichs
Erfahrungsaustausch unter Praktikern
Fachreferate Samstag, 18.02.2012
10.00 Uhr: Eröffnung und Begrüßung
10.30 Uhr: „Ladegutsicherung – ein zunehmendes Problem f. d. (Berufs)Imkerei. Rechtliche Grundlagen u. praktische Lösungen“, DI Michael Deimel, Referat Technik, LK NÖ
11.30 Uhr: „Neonicotinoide Beizen – Erfahrungen und Ergebnisse des Monitoringprojektes APENET/Italien“, Dr. Marco Lodesani, Leiter Bieneninstitut Bologna, I
12.45 Uhr: Mittagessen im Raiffeisenhof
14.00 Uhr: „Maßnahmen des Pflanzenbaus zur Vermeidung von Bienenschäden 2012“, DI Adolf Marksteiner, Landwirtschaftskammer Österreich
14:45 Uhr: „Melissa – Ergebnisse der drei Untersuchungsjahre.“ Dr. Rudolf Moosbeckhofer, AGES Wien
15.30 Uhr: „Mögliche Auswirkungen der neuen EU-Agrarpolitik auf Bienen und Bestäuber“, Mag. Michael Proschek–Hauptmann, GF Umweltdachverband
16:45 Uhr „Nachwachsende Energie aus Wildpflanzen – ökologische Wege zur Bio-Gas Gewinnung“, Werner Kuhn, Institut Veitshöchheim
Sonntag, 19.02.2012
09.00 Uhr: „Kinder und Jugendliche – Was kann jeder Imker für die Zukunft der Imkerei und auch die des Honigkonsums tun“
IM Albert Schittenhelm, Jugendreferent NÖIV
10.00 Uhr Berufsimkerei in Deutschland: Bio-Land Imker Dr. Jan-Dirk Bunsen gibt Einblick in seinen Betrieb
11.00 Uhr „Was jeder Imker über das Honig-Urteil des Europäischen Gerichtshofes unbedingt wissen sollte.“
Walter Haefeker, Präs. Europäischer Berufsimkerbund (EPBA)
12:15 Uhr: Mittagessen im Raiffeisenhof
13:30 Uhr: „Molekularbiologische Untersuchungen zum möglichen Vorkommen des Erregers der Europäischen Faulbrut (Melissococcus plut.) in Österreich“
Jasmina Leutgeb, AGES Wien
14:00 Uhr „Varroabekämpfung – Analyse der aktuellen Situation und Vorschau auf Anforderungen der Zukunft“ Dr. Klaus Wallner, Universität Hohenheim
15:00 Uhr „Bienenbrut: Gesund? – Krank? Differenzdiagnostik der Brutkrankheiten in der Praxis“
DI Dalibor Titera, Institut Dol, CZ
15:45 Uhr Ende
Workshop „Obst, Linde, Raps …. oder wie? Wonach mein Honig schmeckt“
Referentin: Susanne Wimmer, Honiglabor Imkereizentrum, OÖ
Das Aroma – die Visitenkarte des Honigs. Lernen Sie Ihr Produkt anschaulich beschreiben und erfolgreich bewerben und ordnen Sie ihren Honig der richtigen Honigsorte zu.
Susanne Wimmer zeigt ihnen wie es geht – bringen Sie Ihren Honig mit zum Seminar.
2 Termine: jeweils Samstag und Sonntag von 10.00 bis 14.00 h
Kursbeitrag: € 15/Person (für Mitglieder des ÖEIB gratis)
Voranmeldung unbedingt erforderlich unter email: erwerbsimkerbund@aon.at oder
Tel. 0664/921 53 08; Teilnehmerzahl im Sinne eines nachhaltigen Seminarerfolges
begrenzt. Berücksichtigung strikt nach der Reihenfolge des Eintreffens der Anmeldung,
Mitglieder des ÖEIB werden bevorzugt gereiht.
Kinderprogramm
Auch heuer gibt es wieder ein spezielles Programm für Kinder, ab ca. 6 Jahren aufwärts. Die Kinder werden von geschultem Personal betreut, während Sie in Ruhe die Vorträge und die Ausstellung genießen können. Basteln, Malen, Spiele und eine Rätselrallye mit kleinen Preisen werden den Aufenthalt für Kinder interessant machen. Nehmen Sie ihre Kinder bzw. Enkel mit nach Graz, es wir auch für die Kinder ein Erlebnis sein!
API-EXPO-ÖEIB
Im Raiffeisenhof findet die traditionelle Fachausstellung statt. Hier finden Sie alles was das imkerliche Herz begehrt: Imker-Literatur, Imkersoftware, Vermarktungshilfen, (Honig)Kosmetik, Geschenkartikeln, Bienenfuttermitteln, Geräte (Autom. Schleuderstraßen, Honigabfüllanlagen, Besamungsgeräte, elektron. Trachtbeobachtungssysteme…), Beuten und Imkereiprodukte usf. von in- und ausländischen Ausstellern (Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, Polen, Slowenien, Tschechische Republik, …)
Fachtagungsbeitrag: 10 €/Tag, 2-Tageskarte 15 €, für Mitglieder u. Neumitglieder des ÖEIB: KOSTENLOS
Kinderprogramm kostenlos!
Zur Fachtagung sind alle Imkerinnen und Imker mit Familie, Bienenwissenschaftler/innen und Interessierte herzlich eingeladen.
Quartierwünsche: Direkt an den Raiffeisenhof, Tel.: 0316/8050-7111
Wenn bereits ausgebucht, bitte die beim Raiffeisenhof aufliegende Liste von anderen Beherbergungsbetrieben anfordern.
BRAUNSCHWEIG. Jedes Mal, wenn Thomas Basting Pestizide versprüht hat, sind seine Augen stark gerötet, die Nase ist verstopft. Auch an diesem heiteren Tag ist der Braunschweiger Stadtgärtner wieder mit dem Spritzgerät im Einsatz, als es geschieht: Während einer Pause sackt der 50-Jährige vornüber auf das Lenkrad seines Dienstfahrzeugs und ist tot. Hinter seinem Sitz stapeln sich die Chemikalien.
Seine Witwe Susanne Basting mag nicht glauben, dass ihr Mann an einem Herzinfarkt gestorben ist. Eine Obduktion hätte der 49-jährigen Mutter Gewissheit geben können, doch die Staatsanwaltschaft Braunschweig lehnt eine eingehendere Klärung ab. „Meine Kinder und ich hätten noch sehr, sehr viele Fragen, die unbeantwortet sind und uns leiden lassen, da wir nicht genau wissen, woran mein Mann gestorben ist“, so Susanne Basting.
Auch der Notarzt, der an diesem heißen Julitag am Fundort eintrifft, sieht noch Klärungsbedarf. In der Todesbescheinigung vom 20. Juli 2011 kreuzt er die Rubrik „Todesart ungeklärt“ mit Ja an und unterstreicht das Wort „ungeklärt“ mehrfach.
Tags darauf hat sich die Braunschweiger Polizei ein eigenes medizinisches Gutachten erstellt: Im Todesermittlungsbericht Nummer 2011 00 929 822 heißt es, „dass Herr Basting mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einem akuten Myokardinfarkt erlegen sein dürfte“. Wohlgemerkt: Hier diagnostiziert nicht etwa ein Arzt, sondern ein Kriminaloberkommissar. Auf Nachfrage argumentiert Polizei-Pressesprecher Joachim Grande zunächst zwar mit der Erfahrung des Ermittlungsbeamten, bekennt dann aber: „Im Grunde ist die Feststellung eigentlich nicht nötig.“
Aber die Todesdiagnose ist nicht die einzige Ungereimtheit. Der Todesermittlungsbericht ist widersprüchlich und fehlerhaft: „Laut später befragter Ehefrau hätte ihr Ehemann vor einigen Wochen über Druckschmerzen in der Brust geklagt“, heißt es an einer Stelle. „Das habe ich nie gesagt“, entgegnet Susanne Basting. Weiter heißt es im Polizeibericht: „Da der Verstorbene zu Lebzeiten keinen Hausarzt hatte, entfällt auch eine ärztliche Befragung.“
Das ist falsch. „Ich bin Hausärztin von Herrn Basting“, schreibt die Medizinerin Friederike Speitling sechs Tage nach dem Tod ihres Patienten an den zuständigen Kriminaloberkommissar. Die Einschätzung der Fachärztin für Allgemeinmedizin über die Verfassung ihres Patienten fällt eindeutig aus. „Ich habe ihn im Oktober 2010 und Mai 2011 untersucht. Herr Basting schien körperlich, geistig und seelisch gesund, kein Nikotin, kein Alkohol, keine Tabletten.“ Friederike Speitling, die auch Diplom-Biologin ist, zeigt sich wenig begeistert davon, dass die Akte in Windeseile geschlossen werden könnte: „Als Hausärztin bin ich der Meinung, dass plötzliche Todesfälle beim Umgang mit hochtoxischen Substanzen besonders untersucht werden müssen.“
Tatsächlich sind es nicht irgendwelche Mittelchen, die Thomas Basting versprüht hat – den Sicherheitshinweisen gemäß mit Handschuhen, aber ohne Atemschutz. Der Unkrautkiller „Roundup“ des US-Konzerns Monsanto ist umstritten. So haben Forscher der französischen Universität Caen festgestellt, dass „Roundup“ Zellen aus menschlichen Nabelschnurvenen binnen 24 Stunden tötet. Ein Team der Universität im amerikanischen Pittsburgh fand in Versuchen mit Amphibien heraus, dass die Chemikalie, die ja eigentlich entwickelt wurde, um Pflanzen zu töten, „innerhalb von drei Wochen 98 Prozent aller Kaulquappen und innerhalb von einem Tag 79 Prozent aller Frösche tötete“. Monsanto wendet dagegen ein, dass sich Versuche mit isolierten Zellen kaum auf komplexe lebende Organismen wie Menschen übertragen lassen, und dass die Amphibien-Studie nicht unter „realistischen“ Bedingungen erfolgt sei. „Zur nachhaltigen, vertretbaren Nutzung eines jeden Pflanzenschutzmittels gehört die bestimmungsgemäße Anwendung. Bei deren Einhaltung ist die Anwendersicherheit bei der Anwendung auch von Roundup-Produkten gewährleistet“, sagt Holger Ophoff, Produkteinführungs-Manager beim Monsanto-Konzern.
Ob der Unkrautkiller tatsächlich etwas mit Thomas Bastings Tod zu tun hat, weiß niemand. Das könnte nur eine Obduktion zweifelsfrei klären, die seine Hausärztin erreichen möchte. Immerhin zeigt ihre Intervention Wirkung – wenn auch nur vorübergehend. Die Akte landet bei der Staatsanwaltschaft, die den Antrag der Witwe auf Obduktion abschmettert: „Letztlich wird durch eine Obduktion der Nachweis, dass ein Dritter am Tod des Verstorbenen strafrechtliche Verantwortung trägt, nicht erbracht werden können. Sie soll daher unterbleiben.“ Nicht die Frage nach der Todesursache steht also im Fokus, sondern nach der Schuld. Dabei kann die Schuldfrage doch eigentlich erst gestellt werden, wenn die Todesursache klar ist.
Eines jedenfalls ist klar: Ein Todesfall in Folge des Umgangs mit Unkrautkillern hätte weitreichende Folgen – für Kommunen, den Handel, Versicherer.
„Wir prüfen Todesfälle immer darauf, ob Fremdverschulden Dritter vorliegen“, sagt Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe, Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Und: „Wir richten uns nach dem, was die Polizei schreibt.“ Doch wenn der Polizeibericht fehlerhaft ist? Wenn es fälschlicherweise heißt, der Verstorbene habe keinen Hausarzt gehabt? „Welche Bedeutung hat dieser Satz für den Fall?“, empört sich Klaus Ziehe. Gegenfrage: Wird eine falsche Tatsachenbehauptung dadurch korrekt, dass sie vermeintlich unbedeutend ist? Erst die widersprüchlichen Behauptungen im Polizeibericht rücken den Todesfall in ein scheinbar klares Licht: Da verstirbt ein Mann, der sich zu Lebzeiten nicht um seine Gesundheit geschert haben soll. Kurz vor seinem Tod klagt er angeblich über Druckschmerzen in der Brust. Klarer Fall: akuter Herzinfarkt. Das klingt so toll, das muss die Staatsanwaltschaft einfach glauben.
Doch es könnte auch anders gewesen sein: Laut Polizeibericht herrschten am Todestag sommerliche 28 Grad. Eine Hitze, die Verdunstung begünstigt. Deshalb hätte ein defekter Kanister-Verschluss genügt, um toxische Dämpfe im Fahrzeug freizusetzen. Ob es tatsächlich so war, lässt sich nicht sagen. Denn niemand hat es untersucht.
Susanne Basting jedenfalls nimmt die Wahrheitsfindung nun selbst in die Hand. Mit anwaltlicher Hilfe will sie versuchen, eine Exhumierung zu erzwingen. „Ich möchte endlich Gewissheit haben. Ich möchte endlich meine Ruhe finden.“
2010 veröffentlichte der holländische Toxikologe Henk Tennekes ein international beachtetes Fachbuch mit dem Titel “Disaster in the Making”. Er beschreibt das extreme Artensterben bei Insekten und Vögeln der Agrarlandschaft – in England genauso wie in Holland oder Deutschland. Rebhühner, Kiebitze, Haubenlerchen und Braunkehlchen und selbst die früher so häufige Feldlerche werden immer seltener. Tennekes belegt das Artensterben mit vielen wissenschaftlichen Publikationen, die er in seinem Buch vorstellt. Die Ursache sieht der Toxikologe in einer Gruppe neuer Pestizide, der Neonikotinoide. Diese fordert er sofort zu verbieten. Noch vor Weihnachten kommt die limitierte deutsche Ausgabe mit dem Titel “Das Ende der Artenvielfalt – Neuartige Pestizide töten Insekten und Vögel” auf den Markt.
Henk Tennekes:
Das Ende der Artenvielfalt
Neuartige Pestizide töten Insekten und Vögel
1. Auflage 2011
12 Illustrationen, 17 Grafiken, 72 Seiten
Best.-Nr.: 39323
Preis: 29,95 € (zzgl. 5,90 € Versandkosten)
Kritische Ökologie – 21.11.2011
Neuerscheinungen
A Disaster in theMaking [*]
Das Buch könnte ein Krimi sein. Es geht um Vergiftung und Tod, um Macht und um Gewinn. Doch was der niederländischen Toxikologen Dr. Henk Tennekes in seinem Buch “The systemic insecticides: a disaster in the making” beschreibt, ist keine Fiktion. Es geht um die erheblichen negativen Auswirkungen einer Gruppe von Pestiziden, den so genannten Neonicotinoiden, auf die belebte Umwelt. Tennekes macht die wissenschaftlichen Erkenntnisse hierüber öffentlich und er klagt an: Neonicotinoide verschmutzen unsere Gewässer, schädigen zahlreiche Insektenarten und tragen so zu dem dramatischen Rückgang an Vogelpopulationen in Europa bei.
Neonicotinoide sind neurotoxisch wirkende Pestizide. Die vor 20 Jahren eingeführten Wirkstoffe werden längst in fast allen Kulturen in der Europäischen Union eingesetzt. Folgende Grundeigenschaften machen sie laut Tennekes zu einer Bedrohung für die Umwelt und die globale Landwirtschaft: Ihre systemische Wirkung in der Pflanze, ihre neurotoxische Wirkung im tierischen Organismus und ihr Umweltverhalten. Ersteres bedeutet, dass der Wirkstoff, der beispielsweise als Beizmittel auf das Saatgut aufgebracht wird, nicht auf das Saatgut beschränkt bleibt. Aufgrund seiner guten Wasserlöslichkeit wird er innerhalb der Pflanze transportiert und kann sich so in alle Pflanzenteile verteilen. Tiere, die sich von den Pflanzenteilen ernähren, kommen so mit dem Neonicotinoid in Berührung und nehmen Schaden.
Aus Sicht des chemischen Pflanzenschutzes sind Neonicotinoide aufgrund dieser Eigenschaft ein voller Erfolg. Denn schon geringe Wirkstoff-Mengen können eine hohe Wirkung erzielen. Hinzu kommt die besondere neurotoxische Wirkung der Neonicotinoide. Sie ist laut Tennekes irreversibel und dies macht sie so problematisch. Kommt ein Insekt mit dem Giftstoff in Kontakt, blockiert dieser spezifische Rezeptoren im zentralen Nervensystem des Tieres. Tennekes zu Folge akkumuliert sich diese Wirkung bei wiederholter Exposition. Das heißt, je öfter ein Insekt mit dem Wirkstoff in Kontakt kommt, desto schwerwiegender sind die Folgen.
Dies erklärt Tennekes dem Leser folgendermaßen: Bei Wirkstoffen, die sich reversibel an Rezeptoren binden, ist die Wirkung eine Funktion der jeweils vorhandenen Konzentration. Ist aber die Rezeptoren-Besetzung praktisch irreversibel, so entspricht die Wirkung dem Integral der Konzentration über die Zeit. Ist sowohl die Rezeptoren-Besetzung als auch die durch sie ausgelöste Wirkung irreversibel, so treten laut Tennekes zusätzliche “Verstärkereffekte” auf. Die Wirkung entspricht dann dem doppelten Integral aus der Konzentration und der Zeit.
Tennekes erspart seiner Leserschaft nicht die entsprechenden mathematischen Formeln, doch fasst er für alle, die hier an ihre Grenzen kommen, den Sachverhalt auch noch einmal verständlich in Worten zusammen: Bei derartigen Stoffen kann unter Umständen während der Zeit ihrer Ausbringung und Einwirkung auf einen Organismus überhaupt kein sichtbarer Effekt auftreten, während dann später, wenn das wirksame Agens vielleicht schon längst ausgeschaltet ist, immer zunehmende und schließlich katastrophale Wirkungen an der Zelle bzw. am Organismus auftreten können.
Solche Verstärkereffekte kannte man bislang von krebsauslösenden Substanzen, nun wurde dies auch bei der letalen Wirkung der weit verbreiteten Insektizide aus der Klasse der Neonicotinoide bei zahlreichen Wirbellosen nachgewiesen. Dies bedeutet, dass schon geringe Konzentrationen von Neonicotinoiden in der Umwelt, die unterhalb der als “akut toxisch” geltenden Konzentration liegen, über einen längeren Zeitraum schädlich für zahlreiche aquatische und terrestrische Wirbellose sind, für Bienen, Käfer, Schmetterlinge, Schnecken und Würmer. Erst wenn man diese Wirkungsweise verstanden hat, versteht man auch, was die Neonicotinoide so problematisch macht. Zu den systemischen und neurotoxischen Eigenschaften gesellt sich noch die gute Wasserlöslichkeit und Mobilität im Boden. Dieses Umweltverhalten der Neonicotinoide nennt Tennekes “den zweiten katastrophalen Nachteil”.
Landwirtschaftliche Böden fungieren in der Regel als Stoffsenken für eingesetzte Pestizide. Neonicotinoide werden jedoch aufgrund ihrer guten Wasserlöslichkeit aus den Böden ausgewaschen und gelangen so in Oberflächengewässer und Grundwasser. Über das Wasser werden sie in der Umwelt verteilt und so zu einer Gefahr für unzählige Nicht-Zielorganismen. Hinzu kommt noch ihre relative Langlebigkeit in Wasser und Boden. Bei Imidacloprid beispielsweise findet in Gewässern mit neutralem ph fast kein Abbau statt, ist die Umgebung basischer, dann liegt die Halbwertzeit bei ca. einem Jahr. Dies erklärt auch die hohen Imidacloprid-Rückstandsgehalte in niederländischen Gewässern.
Leider liefert Tennekes keine Angaben darüber, wo überall in Europa wie viele Tonnen Neonicotinoide ausgebracht werden. In dem Kapitel “The use of neo-nicotinoid insecticides” sind lediglich die Absatzdaten aus Deutschland aufgeführt. Genauer wird Tennekes jedoch bei der Darstellung der Situation in den Niederlanden, dem sich das Buch schwerpunktmäßig widmet. Um die dortige Gewässerbelastung mit Neonicotinoiden zu verdeutlichen, greift Tennekes sich das Insektizid Imidacloprid heraus. Innerhalb von 9 Jahren verdoppelte sich dessen Ausbringungsmenge: Wurden in den Niederlanden 1994 noch 668 kg auf gut 5.000 Hektar Land ausgebracht, waren es 2004 bereits 6377 kg auf rund 40.000 Hektar Fläche. Im gleichen Zeitraum wurde Imidacloprid als einer der Haupt-Rückstände in niederländischen Oberflächengewässern nachgewiesen, vor allem in den westlichen Landesteilen.
Die höchsten Rückstände wurden 2005 in Noordwijkerhout gemessen, einer Gemeinde an der Nordküste der Niederlande, die bekannt ist für ihre Blumenproduktion. Hier lagen die Imidaclopridwerte 4700-fach über dem erlaubten Wert von 67 ng/Liter. Eine Biene, die von dem Wasser tränke, würde schon bei einer Aufnahme von 12 Mikrogramm eine für sie tödliche Dosis des Pflanzengiftes aufnehmen. Wissenschaftler beobachteten allerdings, dass schon erheblich niedrigere Dosen zum Tod von Bienen führten.
Tennekes bringt die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die schädigende Wirkung von Neonicotinoiden mit den Zahlen des Artenrückgangs in Zusammenhang: Noch in den 1980-er Jahren häufig vorkommende Arten in den Niederlanden sind in ihren Beständen dramatisch zurückgegangen. Besonders alarmierend ist nach Tennekes der Rückgang an Wiesenvögeln in den Niederlanden. Lag die jährliche Verlustrate bei Wiesenvögeln dort zwischen 1990 und 2000 noch bei 1,2 %, stieg sie seit 2000 auf 4,6 %. Singvögel wie Feldlerche, Wiesenpiper und Schafstelze verzeichnen noch dramatische Verlustraten von minus 75 % in nur 5 Jahren. Dass die Bestandsverluste dort am höchsten sind, wo die Gewässerbelastung mit Neonicotinoiden am höchsten ist, ist für Tennekes ein klares Indiz dafür, dass es hier einen Zusammenhang gibt.
Guckt man sich den Speiseplan der betroffenen Vögel an, so finden sich hier vor allem die Wirbellose, für die schon geringe Konzentrationen von Neonicotinoiden über einen längeren Zeitraum tödlich wirken. Die Populationen von Vögeln, die sich ausschließlich oder vorwiegend von Insekten ernähren, verzeichnen in den Niederlanden die höchsten Verluste. Besonders ausgeprägt sind die Verluste im Westen des Landes. Vor allem in den letzten 10 Jahren, hat sich die Situation noch einmal zugespitzt. Viele der Vögel sind auf Insekten, viele auf große Käfer angewiesen. Fehlen diese, kann der Nachwuchs nicht mehr ernährt werden.
Tennekes trägt detailliert die Verlustraten der unterschiedlichen Vogelarten zusammen und stellt Bezüge zu deren Ernährungsgewohnheiten und dem Rückgang an Beutetieren her. Die umfassenden Darstellungen aus den Niederlanden werden durch Zahlen aus England, Frankreich, der Schweiz und Deutschland ergänzt. Und immer wieder wird der Zusammenhang zwischen dem Populationsverlusten bei Insekten und Spinnen, den rückläufigen Bruterfolgen und dem steigenden Einsatz von Pestiziden thematisiert und anhand zahlreicher Studien und Zahlen untermauert.
Tennekes führt in seinem Buch einen Indizienbeweis. Er stellt fest, dass die zunehmende Nutzung von Neonicotinoiden zeitlich und räumlich mit dem steigenden Rückgang an Vögeln und Wirbellosen zusammenfällt. Doch Tennekes muss sich der Kritik stellen, dass das gleichzeitige Auftreten eines oder mehrerer Phänomene nicht zwangsläufig in einem ursächlichen Wirkzusammenhang stehen muss. Kritiker werden Tennekes vorwerfen, dass Koinzidenz nicht gleich Ursächlichkeit ist. Es wäre wünschenswert gewesen, der Autor hätte deutlicher gemacht, dass auch andere Parameter für den beschriebenen Artenverlust verantwortlich gemacht werden können, wie der Verlust von Lebensraum, von intakten Mooren, extensiven Weiden oder Feuchtgebieten, um so möglicher Kritik entgegenzuwirken. Besonders in der Zusammenfassung fehlt eine solche kritische Betrachtung. Sie hätte dem Buch und dem darin beschrieben Sachverhalt nicht geschadet.
Dennoch ist dem Toxikologen Henk Tennekes mit “The systemic pesticides – A disaster in the making” ein in vielerlei Hinsicht erstaunliches Sachbuch gelungen. Erstaunlich zum einen, weil es Tennekes mit der Buchveröffentlichung gelungen ist, wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Nische der wissenschaftlichen Journale zu befreien und einer breiteren Leserschaft zu präsentieren. Zum anderen, weil Tennekes Stellung bezieht, weil er eine Meinung vertritt und diese nachvollziehbar mit Fakten, in diesem Fall Recherche-Ergebnissen, belegt. Er positioniert sich und klagt an und geht damit einen anderen Weg, als es in wissenschaftlichen Fachpublikationen Usus ist. Erstaunlich ist das Buch auch, weil es schön ist.
Wer jetzt irritiert ist, hat das Buch noch nicht in der Hand gehabt und wer meint, es sei unwichtig, der irrt. Denn die Einbeziehung der Landschaftsbilder des Malers Ami-Bernard Zillweger, die formatfüllend abgedruckt wie Oasen zwischen den Kapiteln liegen und die großzügige Gestaltung des Buches insgesamt, tragen erheblich dazu bei, dass man das Buch lesen will, dass man bereit ist, sich durch lateinische Namen und für die meisten Leser zunächst einmal unverständliche Formeln zu quälen. Bilder und Text stehen in einem spannungsvollen Miteinander und spiegeln die inhaltliche Spannung wider, die Tennekes vermittelt: Die Spannung zwischen Zerstören und Bewahren.
Susan Haffmans, PAN – Germany
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[*] Rezension der englischsprachigen Originalausgabe: Henk Tennekes: The systemic insecticides. A Disaster in the Making. Mit Zeichnungen von Ami-Bernard Zillweger. Baerens & Fuss, Schwerin 2010, 72 Seiten, 29,95 EUR, ISBN: 978-90-79627-06-6. In: Kritische Ökologie 26 (1/2) Spezial 2011, S. 37f.
Köln (CBG) 1.12.2011 – Vom 3. bis 6. Dezember findet im indischen Bangalore das Permanent Peoples´ Tribunal (PPT) statt, in dem die Verantwortung großer Pestizid-Hersteller für Vergiftungen und Umweltschäden untersucht wird, teilt die Coordination gegen BAYER-Gefahren am Donnerstag mit. Am PPT nehmen rund 180 Betroffene und Umwelt-Organisationen aus aller Welt teil. Die Fälle werden von Richtern und Anwälten gehört, ihre Urteilssprüche werden der UN übermittelt. Einer der über 20 Fälle beschäftigt sich mit Insektiziden des Leverkusener BAYER-Konzerns, die für großflächige Bienensterben in mehreren Kontinenten mitverantwortlich sind.
Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), und ein geschädigter Imker aus Großbritannien werden den Fall in Bangalore vortragen. Die CBG weist seit den 90er Jahren darauf hin, dass Pestizide eine große Gefahr für Bienen darstellen. So war der von BAYER hergestellte Wirkstoff Clothianidin für das große Bienensterben in Süddeutschland vor drei Jahren verantwortlich. Das Vorgängerprodukt Imidacloprid wurde in Frankreich wegen hoher Bienenschädlichkeit bereits 1999 verboten.
Im Frühjahr veröffentlichte die UN-Umweltbehörde UNEP einen Bericht zu Bienensterben in aller Welt. Die BAYER-Pestizide Clothianidin und Imidacloprid werden darin als Bedrohung für zahlreiche Tierarten bezeichnet. In der diesjährigen BAYER-Hauptversammlung wurden mehr als eine Million Unterschriften für einen sofortigen Verkaufs-Stopp der Wirkstoffe übergeben.
Weitere Unternehmen, gegen die in Bangalore Klage erhoben wird, sind Monsanto, Syngenta, Dow, DuPont und BASF. Das PPT, Nachfolger des Russell-Tribunals zum Vietnamkrieg, wurde 1979 gegründet, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, die institutionell nicht untersucht werden. Das Verfahren folgt den Regeln einer juristischen Verhandlung und bezieht sich auf existierendes Recht und internationale Regelungen wie die UN Deklaration für Menschenrechte.
Das diesjährige Permanent Peoples´ Tribunal beginnt am Jahrestag der Katastrophe von Bhopal. In Bhopal waren in der Nacht vom 2. auf den 3. Dezember 1984 aus einer Pestizidfabrik tödliche Chemikalien ausgetreten. Mindestens 20.000 Menschen kamen ums Leben.
Deutscher Berufs- und Erwerbs Imkerbund (DBIB)
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